Rezension: Die Furcht des Weisen Teil 2


Fantasy Zyklus:Königsmörder Chronik
  • 3.00/3

3.0/3
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Zyklus:Königsmörder Chronik
Band:2
Verlag:Klett-Cotta
Seitenanzahl:520
Jahr:2012
Originaltitel:The Wise Man´s Fear
ISBN:978-3608939262
Perspektive:Er- sowie Ich-Erzähler
Altersempfehlung:Jugend & Erwachsene
So fanden uns Meister Lorren, sein Giller Distrel und drei kräftige Mitarbeiter uns beide splitterfasernackt und klatschnass auf dem Dach der Bibliothek. Keine Viertelstunde später hatte die ganze Uni von der Geschichte erfahren. Elodin lachte sich über die ganze Sache kaputt, ich hingegen – obwohl ich es mittlerweile natürlich ebenfalls lustig finde – war alles andere als amüsiert. (Kapitel 146: Misserfolge)

Inhalt

Eine Intrige zwingt Kvothe die arkanische Universität zu verlassen. Seine Suche nach den sagenumwobenen Chandrian, die seine Eltern getötet haben, führt ihn an den Hof von Maer Alveron, und weiter zu den sturmumwogten Hügeln von Ademre. Schließlich gelangt er in das zwielichtige Reich der Fae, wo er der sagenumwobenen Felurian begegnet, der bisher noch kein Mann widerstehen konnte ...


Rezension

von:
(286 Rezensionen)
Eigene Empfehlung:
Sprache:Beschreibungen:Charaktere:Idee:




Spannung:
Romantik:
Humor:
Action:

Fazit

Es gibt Bücher, die unglaublich spannend sind, ohne dabei einen sonderlichen Eindruck zu hinterlassen. Bücher, deren Charaktere aus dem Leben gegriffen sein könnten, deren Handlung aber vor lauter Psychologisierung einschläft. Bücher, die einfach nur lustig sind, nicht aber unbedingt zu geistigen Höhenflügen anregen. Sie alle können gut sein. Aber dieses Buch ist anders. Und besser. Helden begegnen einem eigentlich in jedem Fantasybuch. Es wäre ja auch langweilig, eine ganz gewöhnliche Geschichte zu erzählen. Auch hier haben wir einen Bilderbuchhelden – scheinbar. Nicht nur, dass er hochbegabt ist, dabei der besten Theatergruppe der Welt angehört hatte, zu den allerbesten Musikern gehört, bei den besten Kämpfern aufgenommen und gelehrt wurde, kundig in den mächtigsten und tiefsten Geheimnissen der Magie ist –nebenbei noch Handwerker und Arzt und ausgezeichneter Dieb – und bei der schönsten, sinnlichsten Frau der Welt seine eigene Lehre hatte (vergaß ich zu erwähnen, dass besagter Protagonist erst 16 plus ein paar Jährchen ist?), nein, er rettet auch nebenbei ein paar holde Maiden in der Not. Übertrieben? Normalerweise, ja. Ein Held muss nicht gleich zum Superhelden werden, das wäre zu viel des Guten. Hier aber verdreht sich das Superheldenbild recht eigenartig. Kvothe, der Held, erzählt seine eigene Geschichte und bewertet das, was der Leser als heldenhaft werten mag, völlig anders. Und der Kvothe der Gegenwart, der erzählende Kvothe, ist das längst nicht mehr. Im Gegenteil. Er erscheint eher wie ein Schwächling. Deprimiert, resigniert, ein jämmerlicher Schatten seiner selbst. Genau dieser Gegensatz relativiert beide Seiten Kvothes. Die düstere, sowie die Superheldenseite. Man fragt sich, wie es, ohne abwegig zu klingen, passieren kann, dass aus diesem Held ein solcher Versager wurde. In diesem Band findet man einen kleinen Vorgeschmack. Kvothe reist nur ein Jahr umher. Und durch die Erlebnisse verändert er sich sehr. Dabei ist sein Charakter so gelungen geschildert, dass die Entwicklung echt wirkt. Der Kvothe am Anfang des zweiten Bandes unterscheidet sich sehr von dem an dessen Ende. Was ich damit sagen will, der Charakter ist nicht starr entworfen und verhält sich immer wie ein netter Held das eben so macht. Nein, er ist lebendig. (Und hier haben wir einen Charakter, der mit der/ durch die Handlung wächst und die Handlung vor lauter Charakterschilderung nicht ins Koma schickt!) Nebenbei wirbt der Roman unauffällig für Toleranz. Eine völlig andere Kultur wird beschrieben, in die sich Kvothe einzufügen versucht. Einfach, wenn man sich bemüht. Oder? In der Hinsicht öffnet einem der Roman die Augen oder schärft zumindest den Blick, wie groß die Lücken zwischen Kulturen sein können, gerade da, wo man es kaum erwartet. Natürlich gibt es auch wieder haufenweise gute Vergleiche und Beschreibungen, auch solche, die immer wieder zum Schmunzeln anregen. („Ich war so müde, dass ich auf einem galoppierenden Pferd hätte schlafen können. Auch unter einem galoppierenden Pferd.“/ „Und da ich nun wusste, dass sein Wahnsinn durchaus Methode hatte, kam ich viel besser mit ihm zurecht als zuvor.“). Ich könnte mich jetzt noch begeistert über den Inhalt äußern, über die Sprache und die Tiefe, über passende Wahl der Kapitelüberschriften, über den Epilog, der mich immer wieder aufs Neue fasziniert etc. etc. etc., belasse es aber einfach bei einem „nichts zu meckern“. Abgesehen von ganz wenigen Unaufmerksamkeiten im Lektorat gibt es nur eine Sache zu bemängeln, die wirklich sehr schwer wiegt. Nämlich, dass das Buch nach 519 Seiten zu Ende ist. Und das kann man ihm kaum vorwerfen :-D.

Rezension in einem Satz:

Eines der besten Bücher, die ich kenne. Verblüffend, überraschend, in die Tiefe gehend. Einfach mehr.