Warum wir Vampire lieben (Gastblog)

(Vielen Dank für den wundervollen Gastblog an: http://geteiltesblut.wordpress.com/  -> Geteiltes Blut ist eine Seite, die man sich als Buchfan auf jeden Fall einmal näher ansehen sollte. Alena und Alexa bloggen hier, wie sie selbst sagen "über das Schreiben, Inspiration und den Weg zur Veröffentlichung". Und das nicht langweilig, sondern absolut sympathisch und so, dass man jeden Beitrag gerne liest. Also werden sich nicht nur angehende Jungautoren angesprochen fühlen, sondern alle, die Bücher lieben. Unbedingt empfehlenswert! So, jetzt aber genug von mir und Bühne frei:)

Wer kennt sie nicht, Edward Cullen, Stefan und Damon Salvatore, Katherine Pierce, Eric Northman, Bill Compton, Erik Night und Zoey Redbird? Allesamt: Vampire, die in den letzten zehn Jahren in der Welt der fantastischen Geschichten aufgetaucht sind (Zugegeben: Katherine, Stefan und Damon sind schon 22 Jahre alt, weil sie aus der Feder von L. J. Smith stammen. Aber ihren hollywoodmäßigen Durchbruch haben sie erst durch die Fernsehserienadaption The Vampire Diaries geschafft, und die ist dann doch wieder erst vier Jahre alt). Seitdem gehören Vampire zum Fantasyalltag, und immer wieder kommen neue hinzu. Trotzdem: Uns wird’s offenbar nicht langweilig mit ihnen. Aber warum sind Geschichten mit Vampiren und über Vampire (weibliche und männliche) eigentlich immer noch spannend, obwohl wir sie nun wirklich schon in so vielen Variationen kennen?

Was wir längst wissen ist, dass ein Imagewandel den Blutsaugern gut getan hat: Von dem knochigen, lichtscheuen und hässlichen Wesen, wie Dracula es war, ist nicht mehr viel übrig. Denn den modernen Vamps macht das Sonnenlicht oft nichts aus (ob mit Hilfsmitteln oder ohne, das sei einmal dahingestellt), sie schlafen nicht in Särgen (die sind nämlich unbequem), sie verlieben sich in Highschool-Schülerinnen (denn das ist ja das Alter, in dem sie verwandelt wurden und, nun ja, oft ist es auch ihr geistiges Alter) und sie wollen ihre blutige Vergangenheit hinter sich lassen (weil das schließlich das ist, was die Welt im innersten zusammenhält: Menschlichkeit). Moderne Vampire sind Wesen, die menschlich aussehen und sich meistens auch so verhalten. Aber sie haben auch eine dunkle Seite und die ist es, die uns an den ersten modernen Vamps neugierig gemacht hat. Und sonst, was ist noch spannend an ihnen? Der Vampir der Neuzeit ist intelligent, reich, ewig jung und hübsch wie ein Model.

Aber das ist längst nicht alles. Ja, es ist verlockend, sich vorzustellen, man lebe ewig. Und das in einem 17-jährgen Körper. (Pardon, aber ich wäre da lieber noch fünf Jahre älter geworden, wenn ich für immer eingefroren worden wäre. Aber das mag ja individuell variieren.) Aber es ist vor allem die Wandelbarkeit der Wesen der Nacht (oder auch des Tags, kommt ja auf die Vampirmythologie an…), die immer wieder spannend ist.

Menschenähnliche Figuren der Fantastik sind (außer es handelt sich um eigens geschaffene, wie zum Beispiel Hobbits) Zwerge, Feen, Engel, Hexen, Zauberer und Vampire. Und für alle, außer für Vampire, gilt: entweder gut, oder böse, weiß oder schwarz. Also entweder guter Zwerg oder böser Zwerg, guter Zauberer oder böser Zauberer und so weiter. Das klingt sehr pauschal und soll nicht bedeuten, dass es nicht hier und da auch Grautöne geben kann. Aber keine der Figuren ist durch ihre bloße, allgemeingültige Charakterisierung eine gespaltene Persönlichkeit. Außer der Vampir. Denn es ist die Ambivalenz des Charakters Vampir, die ihn von den anderen fantastischen Wesen unterscheidet. Es handelt sich bei Vampiren schon allein deshalb um etwas Böses, weil sie sich vom Blut Lebender ernähren. Durch ihre eigene Existenz schaden sie den Menschen. Ein moralischer Konflikt ist hier vorprogrammiert. Die Persönlichkeit des Vampirs ist damit, dass er aber in jedem Fall einem anderen Lebewesen etwas Schlechtes antun muss, um nicht von der Erde zu verschwinden, in zahlreiche Grautöne unterteilt. Und das bietet optimalen Stoff, um Geschichten zu erfinden, denn es geht sowohl auf Seite des Vampirs als auch auf der des Menschen darum herauszufinden, wer man selbst ist und woran man glaubt. Denn es gibt Vampire, die sich nicht von Menschen ernähren wollen und es gibt solche, die nur von Gaunern trinken und somit Selbstjustiz üben. Und dann gibt es Monster, die ihrem Blutdurst ungehalten nachgeben. Aber mit welchem Vampir hat man es wann zu tun? Was hat ihn zu dem gemacht, der er jetzt ist? Kann man hinter der harten Fassade einen weichen Kern erkennen? Das sind Fragen, die die Menschen bewegen, die dem Vampir begegnen. Vampire sind in den meisten Geschichten aus Menschen entstanden, die anderen oben genannten fantastischen Wesen aber nicht (entweder bin ich Hexe oder nicht, ich bin Fee, oder ich bin es nicht). Vampire fungieren damit wie ein Spiegel, sie stehen für die Abgründe des (untoten) Menschen. Als verwandelte Menschen haben sie das Potenzial als Identifikationsfigur zu dienen, denn wir versuchen, die Welt aus ihrer Sicht zu begreifen. Irgendetwas wie ein Herz, eine Seele, etwas letztendlich Gutes muss doch auch in ihnen noch vorhanden sein, oder etwa nicht? All diese Gedanken können auf unzählige Arten beantwortet und ausgearbeitet werden. Und solange Geschichten sich gegenseitig nicht kopieren, kann das überhaupt nicht langweilig werden.

Aber das Wichtigste ist am Ende die Originalität einer Story, ganz egal, welche Wesen nun vorkommen oder nicht. Zombies gelten meistens auch als ekelhaft, hässlich und abscheulich. Schon mal was von Warm Bodies (Mein fahler Freund) gehört? Genau. Wir wollen, dass Zombie R der Welt beweist, dass seine Spezies gar nicht so grausam ist, wie es scheint, denn immerhin sind sie auch einmal Mensch gewesen (na,  hatten wir diesen Punkt nicht oben schon einmal?). Es kommt also auf die Geschichte an, die Leser und Zuschauer fesseln sollte, auf die Möglichkeit, darin einzutauchen und sich mit den Figuren zu identifizieren. Soll heißen: Wer eine gute Idee hat, der sollte seine Geschichte unbedingt erzählen. Andere werden sie lieben. Ganz egal, ob mit Vampiren oder ohne.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>